Concorde - Birne der Zukunft?

Vortrag anlässlich des 20. Bundesseminars Kernobst 2000 in Oppenheim
Das Birnensortiment in Deutschland beschränkt sich auf wenige alte Sorten wie z.B. 'Williams Christbirne', 'Alexander Lukas' oder 'Conference'. Je nach Region oder Vermarktungsweg kommen noch 'Köstliche von Charneu', 'Vereinsdechant' oder 'Gute Luise' dazu. Alle diese Sorten sind uralt, sie stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Erst in jüngster Zeit hat sich die Züchtung, wenn auch nicht so intensiv wie mit dem Apfel, mit der Birne beschäftigt.

Es gibt wenige erfolgreiche Neuheiten. Jetzt scheint Bewegung ins Sortiment zu kommen. 'Concorde' ist eine der Sorten, die im Gespräch sind. 'Concorde' ist 1977 in East-Malling in England durch eine Kreuzung von 'Conference' und 'Vereinsdechantsbirne' entstanden. Einen Steckbrief von 'Concorde' finden sie in der folgenden Sortenbeschreibung.

Concorde
HerkunftEast Malling, England 1984
Abstammung 'Vereinsdechant' x 'Conference'
Blühtermin mittelspät zwischen Conference und Vereinsdechant
Befruchtung durch: 'Conference', 'Williams Christbirne', 'Vereinsdechantsbirne
befruchtet: 'Alexander Lukas', 'Conference', 'Williams Christbirne', ' Vereinsdechant
WuchsØ aufrecht mit mäßiger Verzweigung
Ø etwas steiler als Conference
Ø teilweise auf Trieb schneiden
Ansprüche bevorzugt warme Lagen, guten Boden und Zusatzbewässerung
Ertrag früh einsetzend, regelmäßig und hoch;
Ausdünnung wichtig für die Fruchtgroße.
Frucht mittelgroß, flaschenförmig mit Bauch, glattschaliger als Conference
Fruchtfarbe Fruchtfarbe ist grün bis grüngelb
Geschmack Fruchtfleisch ist feinzellig, saftig, schmelzend, angenehmes Aroma (Melone), süßsäuerlich
Reifezeit Mitte September, 1 Woche nach Conference
Lagerfähigkeit Ø ähnlich Conference im Naturlager 1 – 2 Monate
Ø im Kühllager bei – 0,5 ° C 5 – 6 Monate
Ø ULO-Lager muß noch weiter geprüft werden
Ø Kavernen und Verbräunung möglich
Vorteile Ø Etragsverhalten
Ø Fruchtgröße
Ø gute Lagereigenschaften
Ø Toleranz gegenüber Schorf
Ø Wuchs
Nachteile Ø ähnlich Conference
Ø wird schnell gelb ohne Festigkeit zu verlieren
Beurteilung Ø nur bestes Pflanzgut verwenden
Ø Bäume müssen auf Trieb gehalten werden
Ø gute Erträge und Fruchtgröße, wenn ausgedünnt wird
Ø gute Lagereigenschaften
Ø Frucht ist von der Form her eine ideale Conference
Ø das Aussehen kommt dem Verbraucher entgegen
Ø Nachteilig ist das schnelle Gelbwerden der Früchte, auch wenn die Fruchtfleischfestigkeit erhalten bleibt
Ø tolerant gegenüber Schorf und Parry's desease

Was spricht für 'Concorde'?

Einer der Hauptgründe für die Anpflanzung von 'Concorde' dürfte die Schwachwüchsigkeit sein. Bei dieser Sorte gibt es keine Diskussionen um Wuchsbremsen wie z.B. Wurzelschnitt, Stamm einsägen oder gar den Einsatz von CCC. Dies belegt auch ein Versuch an der SLVA Ahrweiler/Mayen mit verschiedenen Unterlagen.

Ein erstes Ergebnis ist in der Darstellung Unterlagenvergleich (Abb. 1) aufgeführt. Hier ist deutlich abzulesen, dass 'Concorde' im Vergleich zu 'Conference' weniger stark wächst, was am Stammdurchmesser erkennbar ist. Alle Unterlagenkombinationen mit der Sorte ‘Concorde‘ wachsen deutlich schwächer. Als Beispiel sei hier auf den Zuwachs von Conference auf Quitte Adams um 21,8 mm hingewiesen. Im Vergleich hierzu legte Concorde nur um 18 mm zu.



Abb. 1: Stammdurchmesser in mm, 'Conference' - 'Concorde', Unterlagenvergleich

Die Kombination mit Quitte C ist unter den Versuchsbedingungen zu schwach. Dieser Schwachwuchs führte zu einem geringen Kronenvolumen und damit verbunden zu einem verhältnismäßig geringen Ertrag. Dies ist aus der Abb. 2 "Erträge" abzulesen. Die ersten Erträge von 'Concorde' waren auf Quitte C im Vergleich zu Quitte Adams um 2,1 kg je Baum oder 32 % geringer. Durch die Zwischenveredlung mit 'Vereinsdechantsbirne' wurde dies wieder ausgeglichen, wobei die Bäume etwas schwächer blieben als auf Quitte Adams.





Abb. 2: Erträge in kg je Baum, 'Conference' - 'Concorde', Unterlagenvergleich

Das Ertragsniveau wird allgemein etwa 10 % geringer als bei 'Conference' angegeben. Im Jahre 1999 konnte dies im Sortenversuch bestätigt werden. Die Erträge pro Baum lagen geringfügig um etwa 0,5 kg unter denen von 'Conference' und um 2 kg unter denen von 'Alexander Lukas'.

Neben den Erträgen sind aber die Fruchtgrößen von besonderer Bedeutung. 1999 lag das durchschnittliche Fruchtgewicht bei 'Conference' bei 108 g, während 'Concorde' 131 g wogen und 'Alexander Lukas' 139 g (Abb. 3). Dies sind Fruchtgewichte ohne Handausdünnung. Sicherlich ist aber auch bei 'Concorde' eine Handausdünnung sinnvoll, um das Sortierergebnis zu verbessern.



Abb. 3: Fruchtgewichte und Erträge einzelner Birnensorten 1999 auf Quitte C

Im Jahre 1999 fallen analog zu den Fruchtgewichten auch die Sortierergebnisse für 'Concorde' deutlich besser aus, wie aus der Abb. 4 abzulesen ist. Bei 'Concorde' sind immerhin 60 % der Früchte größer als 60 mm, während bei 'Conference' im selben Jahr nur 13 % die geforderte Fruchtgröße von 60 mm erreichen konnten. Besonders auffallend ist, dass bei 'Conference' noch 16 % der Früchte unter 50 mm waren; bei 'Concorde' gab es in dieser Fruchtgröße keine Früchte.



Abb 4: Sortierung 1998/99, 'Conference' - 'Concorde', Unterlagenvergleich


Geschmacklich wird 'Concorde' gut bewertet. Die Sorte ist süß und hat ein angenehmes Aroma, was leicht an Melonen erinnert. Bei einem Geschmackstest an der SLVA in Ahrweiler am 10.Februar 2000 (Abb. 5) konnte 'Concorde' überzeugen. Die Sorte erreichte sowohl im Aussehen als auch im Geschmack Spitzenwerte. 'Concorde' braucht den Vergleich zur Spitzensorte 'Vereinsdechant' nicht zu scheuen. In der Beurteilung lag 'Concorde', wie aus der Abbildung zu sehen ist, deutlich vor 'Conference'. Auch die Frage: Würden sie die Birne kaufen? wurde mit der Note drei genau so gut beurteilt wie 'Vereinsdechant'.



Abb. 5: Geschmackstest an der SLVA Ahrweiler am 10.02.2000

Ein Nachteil könnte die grüngelbe Grundfarbe sein, die nach der Auslagerung relativ schnell gelb wird. Dies suggeriert dem Verbraucher gelegentlich den Eindruck der Überreife, obwohl die Früchte nach wie vor fest und keineswegs mehlig sind.

Wichtig für eine gute Fruchtform ist die Befruchtung; nur wenn genügend Samen in der Frucht sind wird sie auch schön bauchig. Als Befruchter kommen die Sorten ’Conference‘, ’Vereinsdechant‘ oder ’Williams Christbirne‘ in Frage. Ansonsten kann sie leicht an 'Conference' erinnern. Die Glattschaligkeit dürfte ein Vorteil für den deutschen Verbraucher sein.

Fazit:
'Concorde' kann durchaus eine Bereicherung unseres Birnensortimentes sein. Die Sorte ist als Befruchter geeignet, lässt sich nach ersten Erkenntnissen gut lagern und ist wenig anfällig für Schorf, Krebs und Feuerbrand.

Zu achten ist auf optimales Pflanzgut. Einjährige Veredlungen sind vollkommen ungeeignet. Gepflanzt werden sollte nur das Beste. Also zweijährige, möglichst voluminöse gut bewurzelte Bäume auf Quitte A, Adams in Ausnahmefällen C ( nur auf besten Standorten ) mit 4 – 6 gleichwertigen Seitentrieben ab etwa 70 cm Stammhöhe. Die Seitentriebe sollten etwa 40 cm lang sein. Selbstverständlich ist auf Virusfreiheit zu achten. Wegen der Schwachwüchsigkeit sollten nur besonders gute Standorte, gegebenenfalls mit Zusatzbewässerung, ausgewählt werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit der Sorte 'Concorde' etwas Bewegung in das Birnensortiment kommen könnte, was sicherlich zu begrüßen wäre.





hans-josef.weber@dlr.rlp.de      drucken