Keine Angst vor grünen Tomaten

Bei uns sind meist rotfrüchtige Tomatensorten im Handel. Sie haben im Jugendstadium grüne Früchte, die aber bei zunehmender Reife rot werden. Geerntet wird meist erst, wenn die Früchte nichtig rot sind. Nur bei langen Transportwegen wählt man schon mal das halbreife, gelbrote Stadium. Mit der Entwicklung der sogenannten Longlife-Sorten erntet man heute nur noch reife Früchte. Immer wieder hört man aber, dass in südlicheren Ländern auch grüne Tomaten verzehrt werden. Diese sollen aber giftig sein. Wie verhält es sich damit?
Die "Stiftung Warentest" berichtet dazu in Nummer 8/2003: "Keine Angst vor Grün". Gesünder geht's kaum: Auf eine mittelgroße rote Tomate kommen mal gerade 15 Kilokalorien, dafür jede Menge gesunde Inhaltsstoffe. Beispielsweise Kalium, vor allem aber Lykopin, besonders wichtig für die Immunabwehr. Je roter die Tomaten, desto mehr Lykopin steckt drin. Und um so besser schmecken sie, wenn sie reif gepflückt wurden. Aber auch noch etwas grüne Tomaten haben ihre Anhänger, und zwar wegen der säuerlichen Note. Grüne Stellen bedeuten bei Tomaten und auch bei Kartoffeln: Sie enthalten das giftige und hitzestabile Solanin. Doch keine Angst, für eine Vergiftung sind die Mengen in leicht grünen Tomaten zu gering. Selbst die Konfitüre aus ganz grünen Tomaten ist kein Problem, wenn man nicht zu kräftig hinlangt. In 100 Gramm halbreifen, orangeroten Früchten wurden bis zu 2 Milligramm Solanin gemessen. Giftig wird es ab 25 Milligramm, tödlich können 400 Milligramm sein. Bei ganz grünen Tomaten liegt der Solaningehalt zwischen 9 und 32 mg pro 100 Gramm. Verarbeitet mindert sich das Risiko. Bei milchsaurer Vergärung verringert sich der Solaningehalt um 35%. Ähnlich bei Konfitüren, denn da bewirkt der Zuckerzusatz die Verdünnung.
Daneben gibt es auch grünreifende Tomaten, die so langsam auch in die Gärten Einzug halten wie beispielsweise die Sorten `Grünes Zebra` (grün-gelb-gestreift), `Evergreen`und `Grüne Traube`. Sie bieten in Tomatensalaten eine bunte – und leckere – Abwechslung, deshalb sollte man sie nicht außer Acht lassen.
Zu Rezepten mit grünen Tomaten hier noch ein Hinweis von Ulla Grall www.bio-saatgut.de :
Es scheint, dass viele dieser Rezepte Übersetzungen sind, bei denen für „Tomato verde“ wortwörtlich „Grüne Tomate“ eingesetzt wurde. Als „Tomato verde“ bezeichnet man jedoch im südamerikanischen Raum die Grüne Tomatillo  (Physalis ixocarpa), auch gelbe Tomatillo oder Mexikanische Tomatillo genannt. Man merkt den Unterschied, wenn man ein Rezept mal mit Tomatillo anstelle unreifer Tomaten ausprobiert hat!

Ob grün, gelb oder rot - Tomatenvielfalt ganz nach Geschmack


Fotos:© DLR





josef.schlaghecken@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken