Die Essmandel (Prunus dulcis)

1. Herkunft und Verbreitung

Schon in den Büchern Moses ist die Mandel als eine der besten Früchte des Orients mehrfach erwähnt. Ihre Heimat liegt in Mittelasien, im 5. Jahrhundert v. Chr. gelangte sie von Griechenland nach Italien und wurde dort „nux graeca“ (griechische Nuß) genannt. Mit den Römern und dem Wein wurde sie über Handelswege in die klimatisch begünstigten Weinbaugebiete Deutschlands gebracht.

Botanik

Botanisch gesehen gehören die Mandeln zum Steinobst und nicht zum Schalenobst, obwohl der Aufbau beispielsweise mit der Walnuss vergleichbar ist. Essbar ist der Samen (Kern), der von einer steinharten Samenschale umgeben ist (Stein). Die aussenliegende grün-graue, lederartige Fruchtschale reißt bei der Reife teilweise auf und wird entfernt.


Viele Mandelsorten sind selbststeril und benötigen eine Befruchtersorte, hierzu eignen sich auch Pfirsichsorten. Man unterscheidet innerhalb der Art Prunus dulcis (dulcis, lat. = süß) verschiedene Unterarten, von denen allerdings nicht alle essbar sind.

Die Bittermandel P. dulcis var. amara
Wildform, Ausgangsform für die Kulturmandelsorten
Die Samen enthalten das cyanogene Glycosid Amygdalin (3 – > 5%), aus dem während der Verdauung die giftige Blausäure abgespalten werden kann.
Typisch: sehr harter, tief gefurchter Stein, bitterer Samen. Hoher Zierwert durch rosa Blüte, meist kernecht.

Die
Süß- oder Steinmandel P. dulcis var. dulcis
Deutlich geringere Amygdalingehalte, essbar.
Typisch: harte Schale, süßer Samen. Meist weißblühend.
Beispiele: `Kleine vollkernige Süßmandel`, `Ferragnes` etc..

Die
Krach- oder Knackmandel P. dulcis var. fragilis
Süßmandel mit dünner Schale, die mit den Fingern geöffnet werden kann (fragilis, lat. = zerbrechlich), essbar
Beispiele: `Große Prinzessmandel`, `Dürkheimer Krachmandel`, `Palatina' etc..

Der Mandelpfirsich
Prunus x amygdalopersica
Ziermandel
Kreuzungen (Hybriden) zwischen Mandel und Pfirsich
Beispiel: `Perle der Weinstrasse`, eine der schönsten Ziermandeln.

Standort + Kultur

Mandeln lieben Wärme und Sonne, ansonsten sind sie recht anspruchslos. Sie vertragen Trockenheit und bevorzugen kalkreiche Böden. Neben sortenechten Bäumen werden sie hauptsächlich auf mittelstark wachsende Unterlagen wie St. Jul. A oder die stärker wachsende GF 677 veredelt.

Mandeln sind gut schnittverträglich, am Besten schneidet man im belaubten Zustand direkt nach der Ernte. Geerntet wird im Weinbauklima ab Anfang September, wenn die Fruchtschale aufspringt. Sehr wichtig ist das konsequente trocknen nach der Ernte.



2. Anbau von Mandeln in der Pfalz

Erstmalig erwähnt wurde die Mandel in der Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ von Karl dem Großen um 812. Hier wird der Anbau von Essmandeln in den königlichen Hofgütern ausdrücklich empfohlen. Ab dem Jahre 1300 gibt es viele Orte, Straßen, Gasthäuser und Gewannenamen mit dem Zusatz `Mandel` in der Pfalz, wie das „Gasthaus zum Mandelbaum“ in Speyer (um 1300) oder die „Mandelgasse“ in Neustadt (seit 1460). Zahlreiche Flur-, Gewanne- und Weinlagen zeugen noch heute davon wie der „Mandelring“ in Neustadt.

In den folgenden Jahren wurde der Anbau von essbaren Mandeln von der Obrigkeit weiter gefördert, was auf ihre große Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung – und eine Möglichkeit der Steuererhebung - schließen lässt:

· 1464 erlässt Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz eine neue Abgabenverordnung zur Erhöhung der Einkünfte der Stadt Neustadt: auf Nüsse und Mandeln wird eine Steuer erhoben.

· Der Bischof von Speyer beauftragt 1477 Vogt Balthasar von Hambach, um die Kästenburg (Hambacher Schloss) Mandeln zu pflanzen

· 1539 beschreibt Hyronimus. Bock in seinem „Kreutterbuch“: "Auff dem Rheinstrome wachset die Mandel in großer Zahl- fürnehmblich an der Haardt umb Newenstadt und Deidesheim und fürter hinab bis gen Wachenheim"

· 1781 empfiehlt Breuchel in seinem „Handbuch über den edlen Weinstock“ die Anpflanzung von Mandelbäumen in den Weinbergen „seiner hellen und lichten Belaubung des dadurch verursachten geringen Schattens wegen“.

· 1860 spricht der Pomologe F. J. Dochnal in seinen obstbaulichen Schriften von „reichen Mengen und Artbestand von Mandeln an der Vorderhaardt“ und beschreibt 32 Mandelsorten.

Noch um 1900 existiert ein bedeutender Anbau von Mandeln in der Pfalz. Erst danach verschwindet die essbare Mandel als Lebensmittel aus der Region. Die Zeiten werden besser, der Wohlstand bei der Bevölkerung wächst, und so kann man es sich leisten, dass Mandeln zunehmend mehr nur noch nach ihrem Zierwert beurteilt werden. Dabei dominiert das zarte Rosa der Blütenblätter. In den letzten 10 Jahren erlebt die Essmandel eine Renaissance, und die jahrhunderte alte Tradition eines erwerbsmäßigen Mandelanbaues in der Pfalz wird wieder lebendig in der Anpflanzung weissblühender, wohlschmeckender Süßmandeln.

3. Mandelsortiment

Im Obstbauversuchbetrieb am Dienstleistungszentrum Rheinpfalz in Neustadt werden verschiedene Mandelsorten auf ihre Anbauwürdigkeit geprüft. Die ausgestellten Sorten wurden dort alle in den letzten Augusttagen geerntet.
Süßmandeln mit harter Schale
Ai

Herkunft: Regionalsorte aus der Provence

Ferragnes

Herkunft: INRA (Bordeaux, F), sehr späte Blüte, reift Mitte September. mittel-starkwachsend, sehr ertragreich, großfrüchtig, dünne Schale. Resistent gegen Monilia, späteste Reife der 3 französischen Sorten.
Ferraduell

Herkunft: INRA (Bordeaux, F), sehr späte Blüte, reift Mitte September, mittelstark-stark-wachsend, Ertrag sehr gut, sehr fruchtbar, großfrüchtig, oval, hartschalig, Kern breit, sehr gute Qualität, gute Frosthärte, Resistent gegen Monilia.
Ferrastar

Herkunft: INRA (Bordeaux, F), Blüte sehr spät, reift Anfang - Mitte September, aufrecht und starkwachsend, ertragreich, Frucht groß, dicker und breiter Samen,.
Prinzessmandel

Herkunft: Weinstraße, mittelstark-starkwachsend, kleinfruchtig, weißblühend
Keilfruchtmandel

Herkunft: Neustadt an der Weinstrasse, schwach-mittelstark wachsend, ausladend, Blüte zartrosa
Kleine vollkernige Süßmandel

Herkunft: Pfalz, stark und aufrecht wachsend, rosa blühend
Mußbacher Pfarrgarten

Herkunft: Neustadt/Weinstrasse, 110 Jahre alter Baum aus dem Mußbacher Pfarrgarten (Neustadt)

Krachmandeln
Palatina

Herkunft: Baumschule Oberholz, Freinsheim. Ertragreich, großfrüchtig, ein Zufallssämling
Dürkheimer Krachmandel

Herkunft: Bad Dürkheim von E. Philippi selektioniert, weichschalige Mandel; flache, breit ausladende Krone; frühe Blüte, weiß mit rötlichem Auge, große Frucht, weichschaliger Kern; würzig, Mitte-Ende September
Ziermandeln
Mandel Nr. 10

Herkunft: Selektion von Dr. Schwarz, Neustadt/W., große, rosafarbene Blüten, mittelstark wachsend, breit ausladend, 2007 starke Anfälligkeit für Monilia, Stein Kern Pfirsichähnlich, tief gefurcht, sehr hart, deutlich höherer Amygdalingehalt, deshalb für den Verzehr nicht geeignet, große Kerne, aber sehr kleine Samen (< 1 g/Samen).
Perle der Weinstraße

Schönste Ziermandelsorte, und ab den 50er Jahren am meisten als Straßenbaum gepflanzt. Stein hart, pfirsichähnlich und nicht genießbar. Blüte aber intensiv rosa.



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