Vitamin D-Versorgung in Zeiten von Corona

Stand: 04/28/2020
In Zeiten von Corona sollen wir zu Hause bleiben. „Zu Hause“ heißt zwar nicht unbedingt „im Haus“ bleiben, aber nicht jede/r verfügt über einen Sonnenbalkon oder einen Garten und vor allem ältere Menschen trauen sich momentan weniger ins Freie.
Für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist es aber gerade jetzt wichtig, sich – moderat – der Sonne zu zeigen, denn dieses Vitamin kann in der Haut unter Sonneneinstrahlung gebildet werden
Vitamin D (Calciferol) ist ein fettlösliches Vitamin und kann für Monate im Körperfett gespeichert werden. Diese Vorräte, die in der Sommersaison durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet worden sind, sind zum Winterende hin weitestgehend abgebaut.
Ein Aufenthalt in hellen Räumen reicht für die Eigensynthese nicht aus, da die erforderlichen UV-B- Sonnenlichtanteile nicht durch Fensterscheiben dringen können.


Wozu brauchen wir Vitamin D?

Vitamin D reguliert im Zusammenspiel mit den Hormonen Calcitonin und Parathormon den Stoffwechsel der beiden Mineralstoffe Kalzium und Phosphat. So sorgt es beispielsweise für die Aufnahme des Nahrungskalziums aus dem Darm und für den Einbau des Kalziums in die Knochen. Damit leistet Vitamin D einen wichtigen Beitrag zum Knochenaufbau und zur Knochenerhaltung.

Das Vitamin hat weitere Funktionen. Dazu gehören unter anderem, dass Vitamin D...
  • ...in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) die Insulinausschüttung beeinflusst .
  • ...in bestimmten Gehirnabschnitten die Aktivität eines Enzyms erhöht , das bei der (synaptischen) Reizübertragung eine Rolle spielt.
  • ...im Muskel für den Kalziumtransport sorgt.
  • ...in der Haut vermutlich Einfluss auf Zellwachstum und Zelldifferenzierung nimmt .

Einer aktuellen US-Amerikanischen Studie (2018) zur Folge konnte nicht belegt werden, dass die Gabe von Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln das Krebsrisiko verringern kann.
Hinweise darauf, dass einer Diabetes mellitus Erkrankung durch Vitamin-D-Gaben vorgebeugt oder behandelt werden könnte, haben sich bisher noch nicht bestätigt.


Vitamin D wird in der Haut gebildet

Unter dem Begriff Vitamin D werden mehrere Wirkstoffe zusammengefasst, die man auch als Calciferole bezeichnet. Es wird unterschieden zwischen Vitamin D2 (Ergocalciferol), das in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt und Vitamin D3 (Cholecalciferol), das in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Vitamin D2 und D3 sind gleichermaßen wirksam und werden in Leber und Niere in ihre aktiven Wirkformen umgewandelt.
Vitamin D3 kann in der Haut mit Hilfe von ultraviolettem Licht (UVB-Licht) aus Cholesterin gebildet werden. Zunächst wird aus der Vorstufe Dehydrocholesterin das Vitamin D3 (Cholecalciferol) gebildet. In der Leber wird dieses Vitamin D3 zu einem „Pro-Hormon“ umgebaut und kann hier gespeichert werden. In der Niere wird es dann zum Vitamin-D3-Hormon (Calcitriol) aktiviert.
Ein körpereigener Regulationsmechanismus verhindert eine Überdosierung bei der Eigensynthese durch Sonnenbestrahlung.
Der Bedarf unseres Körpers wird zu 80-90 Prozent mit Hilfe der UVB-Strahlung gedeckt.


Wieviel Sonne wird empfohlen?

Bei einem geografischen Breitengrad von 47 bis 75 N° (von Mittenwald bis nördliche Länder) wird Erwachsenen empfohlen, pro Tag ein Viertel der Körperoberfläche (Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen) zwischen 12 Uhr und 15 Uhr für folgende Zeiten je nach Hauttyp der Sonne auszusetzen: wobei Sonnenschutzmittel mit hohem Schutzfaktor die Bildung von Vitamin D beeinträchtigen.

Empfohlene Dauer der Sonnenlichtbestrahlung (Höchstangaben)
Hauttyp I/II (sehr helle bis helle Hautfarbe, hellrotes oder blondes Haar, blaue oder grüne AugenHauttyp III (mittlere Hautfarbe, dunkle Haare, braune Augen)
März - Mai
10 - 15 Minuten
15 - 25 Minuten
Juni - August
5 - 10 Minuten
10 - 15 Minuten
September - Oktober
10 - 20 Minuten
15 - 25 Minuten
Quelle: DGE

Am Vormittag von 10 bis 12 Uhr und am Nachmittag von 15 bis 18 Uhr kann die Expositionszeit verdoppelt werden.
Von Oktober bis März ist die Sonneneinstrahlung nicht stark genug, um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung zu gewährleisten.


Wie hoch ist der Bedarf an Vitamin D? Wer ist grundsätzlich gefährdet?

Aufgrund der Unwägbarkeiten der Eigensynthese gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Referenzwert als Schätzwert für den Bedarf an. Dieser liegt bei 20 µg Vitamin D pro Tag. Ausgenommen hiervon sind Säuglinge, für die 10 µg Vitamin D pro Tag empfohlen werden.
Als Risikogruppen für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung gelten insbesondere Säuglinge und ältere Menschen. Der Vitamin D-Gehalt der Muttermilch ist zu gering, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Andererseits sollen Säuglinge auch nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden, da ihre Schutzmechanismen noch ungenügend ausgebildet sind. Daher sind Vitamin D-Supplemente zur Rachitisprophylaxe bei Säuglingen angezeigt.
Im Alter lässt die Fähigkeit des Körpers zur Eigensynthese von Vitamin D nach, so dass auch bei älteren Menschen eine gezielte Verabreichung von Vitamin-D-Tabletten sinnvoll ist. Jedoch dürfen die Mengen nicht zu hoch sein, es kann sonst zu unerwünschten Kalziumablagerungen kommen. Außerdem kann zu viel gespeichertes Vitamin D Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Vor einer Vitamin-D-Ergänzung sollte also unbedingt Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Zu einer möglichen schädlichen Wirkung zu hoher Vitamin D-Mengen gibt es zurzeit keine einheitlichen Angaben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge pro Tag von 100 µg abgeleitet (4000 IE).

Was können Lebensmittel zur Versorgung beitragen?

Vitamin D kommt nur in einigen wenigen Lebensmitteln in nennenswerten Mengen vor. So nehmen Kinder im Durchschnitt auch nur 1 bis 2 µg Vitamin D und Erwachsene 2 bis 4 µg Vitamin D über Lebensmittel auf.
Vitamin-D-reich sind vor allem Fettfische wie Hering oder Makrele. Geringere Mengen Vitamin D enthalten Eigelb, Leber, Pilze wie Champignons und Pfifferlinge, Käse und Quark.
Vitamin D ist hitzestabil (bis 180°C), aber empfindlich gegenüber Sauerstoff und Licht. Dies ist bei der Lagerung von Lebensmittel zu beachten!

Folgende Tipps können helfen, die Versorgung zu verbessern:
  • Essen Sie einmal in der Woche eine Portion fettreichen Fisch.
  • Essen Sie bis zu drei Eier in der Woche.
  • Speisepilze können Gerichte geschmacklich ergänzen, z.B. eignen sich Champignons in Scheiben geschnitten als Salatzugabe.

Wegen der Gefahr einer Überdosierung ist es in Deutschland verboten, Lebensmittel mit Vitamin D anzureichern. Ausnahmen gibt es u.a. für Margarine, Milchbrei für Säuglinge und Säuglingsmilchnahrung. In anderen Ländern, wie in den USA und Finnland, wird Vitamin D Milch und Milchprodukten zugesetzt.


Ist eine zusätzliche Vitamin-D-Zufuhr ein gutes Mittel gegen das Coronavirus?
Hat eine gute Vitamin-D-Versorgung eine präventive Wirkung?

Es gibt noch keine wissenschaftlichen Studien, die den Zusammenhang einer Behandlung oder der Prävention von Vitamin D auf eine Infektion oder Erkrankung mit SARS-CoV-2 /COVID-19 untersucht haben.
Allerdings geben epidemiologische Studien erste Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und dem Auftreten von akuten Atemwegsinfekten. Insbesondere bei Personen mit nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel könnte die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in niedriger Dosierung (7,5-100 µg/Tag oder 35-500 µg/Woche) die Häufigkeit von akuten Atemwegsinfekten verringern. Für hohe Einmalgaben an Vitamin D (> 750 µg/Tag) konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Auch in der Behandlung akuter Atemwegsinfekte konnte kein Einfluss durch die Einnahme von Vitamin–D-Präparaten beobachtet werden.

Es kommt also auf eine gute Grundversorgung über das Jahr an. Bei gut dosierter Sonnenbestrahlung der Haut, ergänzt mit Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln kann auf eine medikamentöse Ergänzung verzichtet werden. Wichtig ist, den Vitamin-D-Status regelmäßig überprüfen zu lassen. Bei den beschriebenen Risikogruppen ist allerdings eine zusätzliche Supplementierung in ärztlicher Rücksprache angezeigt.


Quellen und weiterführende Informationen


Brigitta.Poppe-Reiners@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben  zurück