Deutsche Weinexporte 2013 - mehr Umsatz mit weniger Menge

Stand: 04/15/2014
Deutschland gehört trotz der im internationalen Vergleich geringen Weinbaufläche zu den großen Exporteuren von Wein. Nach den Weinbaunationen Italien, Spanien und Frankreich ist Deutschland der viertgrößte Weinexporteur Europas und weltweit der achtgrößte Anbieter von Wein. Bei den 3,5 Millionen Hektoliter, die durchschnittlich ausgeführt werden, handelt es sich allerdings nicht nur um deutsche Weine, sondern auch um Reexporte. Der Deutsche Weinbauverband veröffentlicht regelmäßig die Zahlen der Netto-Weinexporte. Diese berücksichtigen ausschließlich die Ausfuhr deutscher Weine.
Laut den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2013 wurden 1,29 Millionen Hektoliter deutscher Wein im Wert von 334 Millionen Euro ins Ausland geliefert. Der Durchschnittserlös lag mit 258 Euro pro Hektoliter rund 5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Vergleich mit den (endgültigen) Zahlen des Vorjahres zeigt, dass mit weniger Menge (-2,7 Prozent) ein höherer Umsatz (+2,1 Prozent) erzielt werden konnte.



Rund drei Viertel der Exporte als Qualitätswein

Qualitätsweine (Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung) sind wegen der im Vergleich zu anderen Kategorien höheren Wertschöpfung das wichtigste Segment für die deutschen Weinexporteure. 2013 wurden 962 Tausend Hektoliter Qualitätswein exportiert, was einem Anteil von rund drei Viertel an der Exportmenge entspricht. Mit 272 Millionen trugen Qualitätsweine über 81 Prozent zu den Gesamterlösen bei. Die durchschnittlich erzielten Preise von 283 Euro pro Hektoliter spiegeln die hohe Wertschätzung dieser Weine im Ausland wider. Diese Kategorie hatte 2013 jedoch sowohl mengen- (-7%) als auch wertmäßig (-2,5%) Verluste zu verzeichnen.

Andere Weine“ konnten dagegen – auf deutlich niedrigerem Niveau – in der Menge um 14 und im Wert um 29 Prozent zulegen. Der Durchschnittspreis stieg um 23 Euro auf 186 Euro pro Hektoliter. Hinter dem Begriff „Andere Weine“ verbergen sich Weine mit geschützter geografischer Angabe, Rebsortenweine und andere Weine ohne nähere Herkunftsangabe. Hohe Zuwachsraten von über 20 Prozent in Menge und Wert konnten „Andere Weine“ mit geschützter geographischer Angabe verbuchen.


Abbildung 2 zeigt, wie sich Exportmengen, -erlöse und Durchschnittspreise deutscher Weine im vergangenen Jahrzehnt entwickelt haben. Die Durchschnittspreise sind relativ zu den Werten in 2004 (= Basis 100) kontinuierlich gestiegen, während die exportierten Weinmengen seit 2008 auf dem Abwärtstrend sind. Als Ergebnis ist der Wert der Deutschweinexporte ebenfalls gesunken, jedoch in deutlich geringerem Ausmaß als die Exportmengen. In 2013 hat sich der Umsatz erstmals seit der Wirtschaftskrise 2008 wieder positiv entwickelt. Entsprechend erklärte DWI-Geschäftsführerin Monika Reule, dass „die Strategie die Wertschöpfung und nicht die Ausfuhrmenge zu steigern“, erfolgreich sei.

Moselweine am teuersten

2013 wurden 1,13 Millionen Hektoliter Weißwein im Wert von 295 Millionen Euro ins Ausland geliefert. Dies entspricht 88 Prozent der insgesamt erzielten Umsätze. Deutsche Exporteure profilieren sich im Ausland vor allem als Lieferant hochwertiger Weißweine mit entsprechender Wertschöpfung. Deutsche weiße Qualitätsweine erzielten 2013 durchschnittlich 280 Euro pro Hektoliter und stehen für drei Viertel der deutschen Exporterlöse. Weiße Qualitätsweine in der Flasche mit der Herkunftsangabe Deutschland stammen zu 54 Prozent aus Rheinhessen, 33 Prozent von der Mosel und 17 Prozent aus der Pfalz. Moselweine dieser Kategorie erzielten mit 377 Euro pro Hektoliter (+12%) die höchsten Preise.
Rotweine spielen im Deutschweinexport eine untergeordnete Rolle, konnten jedoch wert- (+15%)und mengenmäßig (+13%) stark zulegen. Diese Zuwächse gehen allerdings auf den gestiegenen Absatz von roten Qualitätsweinen im Fass bzw. die Kategorie „andere Weine“ zurück. Rote Qualitätsweine hingegen mussten Rückgänge in Absatz (-13%) und Umsatz (-9%) hinnehmen.


Exporte in Drittländer immer wichtiger

Seit 2010 sind die mit deutschen Weinen erzielten Umsätze in Drittländern größer als in anderen EU-Mitgliedsstaaten. In Drittländern werden seither um die 60 Prozent der Gesamterlöse erzielt (Abbildung 3) obwohl nur 40 bis 50 Prozent der Ausfuhrmengen dorthin geliefert werden. Die deutlich höheren Durchschnittspreise – für entsprechend hochwertige Weine - die in den wichtigsten Drittländern erzielt werden, erklären dieses Verhältnis.



USA auf Platz 1 der Exportstatistik

Unter den TOP 10 der Länder, in die deutscher Wein ausgeführt wird, sind allein sechs Dritttlands-Zielmärkte: USA, Norwegen, Kanada, Japan, China und Russland. Mit Ausnahme von Russland werden auf diesen Märkten sehr hohe Durchschnittspreise von deutlich über 300 Euro pro Hektoliter erzielt. Von den über 100 Ländern, in die deutsche Weine geliefert werden, stehen die wichtigsten 10 Länder für 78 Prozent der Deutschwein-Exporte (Wert und Menge).

Allen voran sind hier die USA zu nennen, wo inzwischen mit 85 Millionen Euro mehr als ein Viertel der Gesamtumsätze mit deutschen Weinen erzielt werden. Auf Platz 2 folgen die Niederlande mit 41 Millionen Euro Umsatz. Die Deutschweinexporte zu unserem EU-Nachbarn entwickeln sich in den vergangenen Jahren positiv, steigende Durchschnittspreise und Mengen führen zu wachsenden Umsätzen. Dabei sind die nicht zu vernachlässigenden „Kofferraumimporte“ nach Holland noch nicht berücksichtigt.



Seit 2012 werden in Holland höhere Erlöse erzielt als in dem noch 2005 wichtigsten Exportland Großbritannien. Dort konnte der Umsatz 2013 zwar aufgrund kräftig gestiegener Preise seit Jahren erstmals wieder gesteigert werden, dennoch steht Großbritannien nach Menge und Wert nur noch auf Platz 3 in der Exportstatistik.



In Norwegen und Schweden entwickelt sich der Markt für deutsche Weine wie in den anderen skandinavischen Ländern Finnland und Dänemark positiv. In diesen 4 Ländern summieren sich die Umsätze auf 15 Prozent der Gesamterlöse für deutsche Weine. In Norwegen werden hohe Durchschnittspreise von 397 Euro pro Hektoliter realisiert, während die Erlöse in den anderen skandinavischen Märkten niedriger liegen.



Die höchsten Preise erzielen deutsche Weine auf asiatischen Märkten; sie liegen durchschnittlich bei über 4 Euro pro Hektoliter. Japan und China gehören zu den TOP TEN der Exportstatistik, aber auch in Hong Kong, Singapour, Taiwan oder Südkorea wird deutscher Wein nachgefragt. In diesen sechs Ländern werden 11 Prozent der Gesamterlöse aus dem Export deutscher Weine erzielt.
Der japanische Markt entwickelt sich seit 2009 nach Jahren sinkender Nachfrage für deutsche Weine wieder positiv. Auch der aufstrebende Markt China ist für viele deutsche Exporteure interessant, allerdings aufgrund der großen Entfernung, der kulturellen Unterschiede und den regionalen Besonderheiten und Vorlieben innerhalb dieses großen Landes nicht leicht zu bearbeiten.

Fazit

Die Exporte deutscher Weine haben sich 2013 insgesamt gesehen positiv entwickelt. Die Ausfuhrmenge liegt mit 1,3 Millionen Hektoliter etwas unter dem Vorjahresniveau. Die Exporterlöse waren mit 334 Millionen Euro dagegen um 2,1 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die seit Jahren steigenden Durchschnittspreise sind ein erfreuliches Indiz für die Wertschätzung deutscher Weine auf den ausländischen Märkten.
Seit der Wirtschaftskrise 2008 ist allerdings die Menge der ausgeführten deutschen Weine ständig zurückgegangen. Die extrem knappe Weinernte 2010 machte es den Exporteuren schwer, diesen Abwärtstrend zu brechen. Es bleibt zu hoffen, dass die erneut kleine Ernte 2013 nicht zu weiteren Rückgängen der Exportmengen führen wird. Einmal verlorene Marktanteile sind auch auf Auslandsmärkten schwer wieder zurück zu erobern.





karin.rheinschmidt@dlr.rlp.de     www.Weinmarketing.rlp.de drucken