Abb. 1: Deutsche Weinexporte nach Herkunft (Menge)

Deutschland belegt laut OIV nach den großen Erzeugerländern Europas (Frankreich, Italien, Spanien) und der Neuen Welt Platz 8 der TOP Weinexportländer. 2016 führten deutsche Unternehmen 3,2 Mio. hl Wein im Wert von 786 Mio. Euro aus. Dies scheint eine gute Nachricht für die deutschen Weinerzeuger. Jedoch ist der mengen- und wertmäßige Export deutscher Weine seit 2008 rapide eingebrochen (Menge 55%/ Wert -34%), während von Jahr zu Jahr mehr ausländische Weine von Deutschland aus den Weg auf die internationalen Märkten fanden.

Bereits seit 2010 exportiert Deutschland mehr ausländische als deutsche Weine. Inzwischen ist der Anteil der Reexporte (Weine, die vorher aus anderen Ländern importiert wurden) an den deutschen Gesamtexporten auf 67% angewachsen. Die Reexporte waren 2016 mit 2,2 Mio. hl mehr als doppelt so hoch wie die Deutschweinexporte (997 Tsd. hl). Deutschland ist zu einem Drehkreuz des internationalen Weinhandels geworden. Deutsche Winzer konnten mit ihren Weinen davon insgesamt nicht profitieren, auch wenn es durchaus erfolgreiche Winzer im Export gibt.

Netto-Weinexporte unter 1 Million Hektoliter

Laut den vorläufigen Zahlen des Deutschen Weinbauverbands wurden 2016 insgesamt 997 Mio. hl deutscher Wein im Wert von 288 Mio. Euro ausgeführt. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Netto-Weinexporte, die ausschließlich die Ausfuhr deutscher Weine berücksichtigen. Im Vergleich zu den (endgültigen Zahlen) des Vorjahres 2015 entspricht dies einem Minus von 5,8 Prozent in der Menge und von 3,7 Prozent im Wert. Der Durchschnittspreis lag mit 288 Euro fast auf Vorjahresniveau. Der Abwärtstrend der Deutschweinexporte hat sich zwar verlangsamt, dennoch wurde nun die 1-Million-Hektoliter-Grenze nach unten durchbrochen.

Qualitätsweine mit höherem Durchschnittspreis


Abb. 2: Netto-Exporte nach Qualität

Qualitätsweine (ab 2010: „Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung“) sind aufgrund ihrer mengenmäßigen Bedeutung und der im Vergleich zu anderen Kategorien höheren Wertschöpfung von besonderer Bedeutung für die deutschen Weinexporteure. Diese Kategorie macht drei Viertel der Menge und immerhin 85 der Exporterlöse aus. Sowohl Menge als auch Umsätze der exportierten Qualitätsweine gehen seit 2010/2011 kontinuierlich zurück. 2016 wurden 767.000 hl Qualitätswein exportiert. Das waren 496.000 hl weniger als noch 2010. Dies entspricht einem massiven Rückgang um 40 Prozent innerhalb von sechs Jahren. Abbildung 2 zeigt, dass die Erlöse aus dem Export von Qualitätsweinen im gleichen Zeitraum in weit geringerem Umfang gesunken sind (-15%). Die gute Nachricht lautet daher, dass der Durchschnittspreis für deutsche Qualitätsweine im Export seit 2010 um 40 Prozent von 230 auf 323 €/hl gesteigert werden konnte. Ein klarer Hinweis auf gestiegene Qualität und damit verbundene höhere Wertschätzung der wichtigsten Exportkategorie für deutsche Weinhändler im Ausland.

„Andere Weine“ also Weine mit geschützter geografischer Angabe, Rebsortenweine und andere Weine ohne nähere Herkunftsangabe, spielen für die Weinexporteure eine untergeordnete Rolle. Sie stehen mit 44 Millionen Euro für nur 15 Prozent der Gesamterlöse (Abbildung 2).

Weinexport nach Farbe


Abb. 3: Netto-Exporte Gesamt (997 Tsd. hl) nach Kategorien und Farbe

Aus Abbildung 3 lässt sich leicht ablesen, welch hohe Bedeutung Weißweinen im deutschen Export zukommt. 63 Prozent (685 Tsd. hl) der Gesamtexporte entfallen auf die wichtigste Kategorie „weiße Qualitätsweine in der Flasche“, 6 Prozent auf weiße Qualitätsweine im Fass und weitere 18 Prozent auf andere Weißweine. Alles in allem sind 869 Tausend hl (87 %) der insgesamt exportierten Deutschweine (997 Tsd. hl) weiß. Im Umkehrschluss heißt das, dass nur 13 Prozent der Exporte Rotwein sind.
Moselweine im Ausland besonders hoch geschätzt


Abb. 4: Durchschnittspreise im Export nach Anbaugebieten (Weiß/Q/F/13 max)

In der Statistik werden weiße Qualitätsweine, die das Land in der Flasche verlassen, detailliert ausgewiesen. Von den 685 Tausend hl der Kategorie „Deutscher Qualitätswein weiß, Flasche“ stammen 552 Tsd. hl aus den Anbaugebieten Rheinhessen, Mosel und Pfalz. Weine aus Rheinhessen machen dabei den Löwenanteil (48,5%) aus, 38 Prozent stammen von der Mosel. Pfälzer Weine spielen mit einem Anteil von 13 Prozent eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Zwar sind die Exportmengen der genannten Anbaugebiete seit 2010/11 kontinuierlich nach unten gegangen, doch konnten die Durchschnittspreise im Gegenzug deutlich verbessert werden. Den höchsten Durchschnittspreis (3,98 €/l) erzielten Moselweine, die im Ausland offensichtlich besonders geschätzt werden. Sie konnten sich 2016 trotz des stabil hohen Preises in der Exportmenge sogar leicht steigern. Auch die Exportpreise für Weine aus der Pfalz haben seit 2010 kontinuierlich zugelegt und liegen mit 3,29 €/l deutlich über denen der rheinhessischen Weine (2,49 €/). Dafür mussten 2016 Mengeneinbußen von um die 10 Prozent hingenommen werden. Rheinhessische Weine erfuhren als einziges Anbaugebiet Preisrückgänge (-0,16 €/l), dafür fiel die Exportmenge um nur knapp 2 Prozent.


Exkurs: Liebfrauenmilch


Abb. 5: Liebfrauenmilch - Anteil an Deutschweinexporten

Spricht man von deutschen Weinexporten, denkt man automatisch auch an den ehemaligen Exportschlager Liebfrauenmilch. Einst war dieses Produkt im Ausland ein Synonym für deutschen Wein. Von Anfang der 80er Jahre bis Mitte der 90er Jahre hat die Liebfrauenmilch eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben. Auf dem Zenit wurden um die 1,2 Millionen Hektoliter (1995) Liebfrauenmilch ins Ausland verkauft. Wenn man bedenkt, dass heute insgesamt nur noch knapp eine Million Hektoliter deutsche Weine exportiert werden, scheint dies eine fast unvorstellbare Menge. Noch Anfang der 2000er waren um die 40 Prozent aller exportierten deutschen Weine Liebfrauenmilch. Doch seither geht die Exportmenge kontinuierlich und in großen Schritten zurück – mit den bekannten Problemen für die Fassweinmärkte vor allem in Rheinland-Pfalz.

Abbildung 5 zeigt, dass die Rückgänge im Liebfrauenmilch-Export zwischen 2005 und 2008 durch andere Weine aus Deutschland mehr als aufgefangen werden konnten, ihre Exportmenge lag 2008 bei immerhin 1,7 Millionen Hektoliter. Nach der Weltwirtschaftskrise 2008 verloren die deutschen Weinexporteure Marktanteile im Ausland und die Exportmengen sinken bis heute weiter. An die Erfolge früherer Zeiten konnte nicht angeknüpft werden. Die Liebfrauenmilch trifft mit ihrem Image „sweet & cheap“ nicht mehr auf die Nachfrage vergangener Zeiten und der Aufbau neuer Märkte für andere hochwertige deutsche Qualitätsweine gestaltet sich im hart umkämpften internationalen Umfeld offensichtlich schwierig. Von den 2016 insgesamt 998 Tausend Hektoliter exportierten deutschen Weinen waren noch 155 Tausende Hektoliter Liebfrauenmilch – im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um weitere 6,6 Prozent. Die aktuellen Anstellungszahlen von Liebfrauenmilchweinen lassen weitere Rückgänge erwarten.

America first


Abb. 6: Deutsche Weinexporte TOP 10 nach Ländern (Wert: 1.000 Euro)

Die zehn wichtigsten Exportmärkte, unter ihnen 6 Drittlandsmärkte (USA, Norwegen, Kanada, China, Japan, Schweiz) stehen für 80 Prozent des Absatzes und 77% des Umsatzes mit Weine. Der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für deutsche Weinexporteure sind die Vereinigten Staaten. 2016 wurden dort 187 Tausend Hektoliter Wein im Wert von 80 Millionen Euro abgesetzt. Dies entsprach einem Rückgang von 2,4 Prozent (Wert) bzw. 4,6 Prozent (Menge). Hochwertige deutsche Weine, insbesondere Riesling, sind erfolgreicher als Weine im niedrigeren Preissegment und trugen dazu bei, dass die Durchschnittspreise (426 €/hl) auf hohem Niveau erneut gestiegen sind.

Auf Platz 2 und 3 im Exportranking nach Umsatz folgen die Niederlande und Norwegen, das nun Großbritannien auf Platz 4 verdrängt hat. Im Königreich gingen sowohl Exportmenge (-33%) als auch –wert (-40%) bei gesunkenem Durchschnittspreis (170 €/hl) erneut drastisch zurück. Erfolgreicher sind deutsche Weine in Skandinavien. Insbesondere in Norwegen 2016 konnten Absatz und Umsatz gesteigert werden (Menge +8% / Wert +9%). Auch in Finnland gab es erfreuliche Zuwächse im zweistelligen Bereich. Rückgänge gab es in Schweden, allerdings vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Durchschnittspreise. Stabil zeigen sich die Exportmärkte Kanada und China, während in Japan Verluste zu verzeichnen sind. Positive Entwicklungen gibt es für den deutschen Weinexport in die Nachbarstaaten Schweiz, Polen und Belgien/Luxemburg.


Download: Deutsche Weinexporte 2016.pdfDeutsche Weinexporte 2016.pdf


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