Maissilage 2018: Historisch schlechte Qualitäten – Einsatz in der Milchviehfütterung

Stand: 01/17/2019
Das Dürrejahr 2018 führte bei den Maissilagen zu bisher nie dagewesenen niedrigen Energie- und Stärkegehalten. Wir stellen Ihnen die Untersuchungsergebnisse des Futtermittelprüfrings Eifel vor und geben Empfehlungen für den Einsatz der Maissilage 2018 in der Milchviehfütterung.

Die ausführliche Erläuterung der Ergebnisse finden Sie im Anhang als pdf-Dokument zum Download.

Tabelle: Maissilage 2018 - Untersuchungsergebnisse FPR Eifel
Die Tabelle zeigt die Ergebnisse von 243 Proben des Futtermittelprüfringes Eifel. Neben den Mittelwerten sind die 25% besseren und die 25% schlechteren Silagen (nach NEL) ausgewiesen sowie zum Vergleich die Mittelwerte aus 2017.
Untersuchtes
Merkmal
Mittelwerte
2018
Mittelwerte
2017
Zielbereich
- 25%
nach NEL
+ 25%
nach NEL
Stand:
15.01.2019
07.12.2017
Anzahl Proben
243
132
60
60
TM g/kg FM
364
349
280 - 350
353
377
Rohprotein
71
73
< 90
74
68
nXP
124
132
> 130
121
128
RNB
-9
-10
-7 bis -9
-7
-9
MJ ME
10,4
11,1
> 11,1
9,9
10,8
MJ NEL
6,2
6,7
> 6,7
5,9
6,5
Rohstärke
261
319
> 320
201
318
Rohfaser
218
177
170 - 220
241
195
Rohfett
28
30
20 - 50
24
32
Rohasche
41
33
< 45
47
36
ADF OM
251
205
180 - 250
273
228
NDF OM
436
360
350 - 400
473
399
NFC
423
503
> 450
381
465
Zucker
18
-
15
24
13
ELOS
595
676
> 670
560
628
Legende:
TM: Trockenmasse g/kg Frischmasse, alle übrigen Werte in g/kg TM,
nXP: nutzbares Rohprotein am Darm, RNB: Ruminale-N-Bilanz = Proteinfutterwert
MJ ME: Umsetzbare Energie, MJ NEL: Mega-Joule, Nettoenergie-Laktation,
ADF OM: organ. Anteil Säure-Detergentien-Faser = Cellulose + Lignin (Verdaulichkeitsparameter), NDF OM: organ. Anteil der Neutralen-Detergentien-Faser = Hemicellulose, Cellulose, Lignin (d.h. alle Fasersubstanzen, Verdaulichkeitsparameter), NFC: Nichtfaser-Kohlenhydrate = Stärke, Zucker, Pektin, ELOS: Enzymlösliche organische Substanz (Verdaulichkeitsparameter)

kurz & knapp:

  • Der durchschnittliche Trockenmassegehalt von 364 g/kg FM liegt über dem Zielbereich.
  • Die Rohproteingehalte liegen mit 71 g/kg TM nochmals 2 Gramm unter denen des Vorjahres.
  • Der Energiegehalt ist mit 6,2 MJ NEL so niedrig wie noch nie.
  • Die Rohstärke liegt mit 261 g/kg TM deutlich unter dem Zielwert (320 g/kg TM) und deutlich unter den 319 g/kg TM des Vorjahres. Angesicht mangelhaft ausgebildeter oder fehlender Kolben überrascht das nicht.
  • Der Rohfettgehalt liegt mit 28 g/kg TM unter dem Vorjahresniveau.
  • NDFOM charakterisiert den Fasergehalt. ADFOM gibt Aufschluss über die Verholzung des Materials; mit einem hohen Wert sinkt die Verdaulichkeit. Beide Werte liegen über dem Zielwert und spiegeln die vertrocknete Restpflanze wieder.
  • ELOS-Wert weiterer Verdaulichkeitsparameter. Ist er hoch, so ist das Futter leicht verdaulich (Ziel: > 670 g/kg TM). Er liegt mit 595 g/kg TM deutlich unter dem Vorjahreswert von 676 g/kg TM. Die vertrocknete Restpflanze ist ebenfalls Ursache dafür.
  • Zucker: Wegen mangelnder Stärkeeinlagerung im Kolben ist vermehrt Zucker in der Restpflanze verblieben. Dies zeigt sich bei den 25% schlechteren Silagen.
Fazit: Die Maissilagen 2018 weisen extrem niedrige Energie- und Stärkegehalte, bei ungewöhnlich hoher Strukturwirksamkeit auf. Sie stellen eine Herausforderung in der Fütterung 2018/2019 dar.


Was bedeuten diese Maissilagequalitäten für die Milchviehfütterung?
Die schlechten Maissilagen erfordern mehr Energiefutter in der Ration als üblich. Hinzu kommt, dass in vielen Betrieben die Menge an Grassilage knapp ist. Um diese Lücke zu schließen, wurden nach Möglichkeit Pressschnitzel oder Biertreber geordert. Beides sind Saftfuttermittel mit Grundfuttercharakter. Während Anfang Dezember nochmals kurzfristig Pressschnitzel angeboten wurden, ist Biertreber nach wie vor kaum zu bekommen. Die fehlende Energie der Maissilage ist durch andere Energieträger zu ergänzen. Es bleibt viel Raum, um größtmögliche Mengen an kostengünstigem, eigenem Getreide einzusetzen. Dadurch wird schnelle Energie im Pansen verfügbar. Zur Sicherung der Energie am Darm können Körnermaisprodukte gefüttert werden.
Mit Beginn des Frühjahrs ist der Getreideanteil eventuell etwas zurück zu fahren, da die Stärke in der Maissilage „schneller“ wird und sich in ihrer Wirkung dem des Getreides annähert. Rationsberechnungen sind unabdingbar. Die Beobachtung der Kotkonsistenz zum Zwecke der Fütterungskontrolle ein Muss.
Zum Energieausgleich werden zudem Futterfette und Flüssigzucker, insbesondere Palatinose-Melasse verstärkt vom Handel angeboten. Diese Melasse ist ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Durch ein spezielles enzymatisches Behandlungsverfahren ist 1/3 des Zuckers langsamer verfügbar als bei normaler Melasse. Der Einsatz in der Trockensteherfütterung ist möglich, weil sie kein Kalium enthält. Es ist jedoch zu beachten, dass insbesondere Maissilagen mit niedrigen Stärkegehalten bereits höhere Zuckergehalte als üblich aufweisen. Pansenphysiologische Einsatzgrenzen können nur über eine Rationsberechnung abgeschätzt werden.
Aufgrund der ungewöhnlich hohen Strukturwirksamkeit der Maissilage ist die Zugabe von Stroh in den Rationen nur selten erforderlich. Zudem senkt es die dringend benötigte Energie in der Ration weiter ab. Um die Futtervorräte zu strecken, ist es in der Ration der Milchkühe ebenfalls nicht geeignet, sondern kann beim Jungvieh nach dem Belegen zum Einsatz kommen. Auch hier sollten Rationsberechnungen durchgeführt werden, um bedarfsgerecht zu füttern.
Leider führt das Sparen bei der Grassilage in dem einen oder anderen Betrieb mangels Vorschub zu Nacherwärmung. In diesen Fällen ist die Anschnittbehandlung mittels Säuren angezeigt und eventuell eine Konservierung der Mischung. Andernfalls drohen Energieverluste und Verderb der kostbaren Silage.


Download: Maissilagen_2018.pdfMaissilagen_2018.pdf



Birgit.Koeppchen@dlr.rlp.de     www.DLR-Eifel.rlp.de drucken