Kennzeichnungspflicht auf Speiseplänen in der Schulverpflegung



Auch auf Speiseplänen in der Schule sind bestimmte Zutaten, Zusatzstoffe, Behandlungsverfahren oder Produktinformationen (z. B. Allergene) deklarationspflichtig.

Um festzustellen, ob eine Kenntlichmachung auf der Speise- oder Getränkekarte erforderlich ist, empfiehlt es sich, auf den  Zutatenverzeichnissen von verpackten Lebensmitteln zu prüfen, ob die oben aufgelisteten Zusatzstoffe oder Zutaten aufgeführt sind. Bei verpackten Lebensmitteln, die an Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung geliefert werden, muss ein Zutatenverzeichnis auf der Verpackung oder in den Geschäftspapieren angegeben sein. Bei Produkten ohne Zutatenverzeichnis, zum Beispiel  offen bezogenen Lebensmitteln, empfiehlt es sich, beim Lieferanten Informationen über die jeweiligen kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe und Zutaten einzuholen.

Die Kennzeichnungspflicht auf Speiseplänen beinhaltet:



- Verkehrsbezeichnung
  • Name des Lebensmittels oder genaue Beschreibun z.B. Tortellini mit Spinat-Ricottafüllung
  • Fantasienamen können eine Verkehrsbezeichnung nicht ersetzen z.B. Überraschungsmenü oder Max und Moritz -Teller, muss eindeutig beschrieben werden
  • Art des Lebensmittels bzw. der Speise muss der Verkehrsauffassung bzw. der Verbrauchererwartung entsprechen z.B. Brötchen mit Formschinken, Schnitzel Wiener Art (wenn mit Schweinefleisch hergstellt), Wiener Schnitzel (wenn mit Kalbfleisch hergestellt)


- Zusatzstoffe
  • Lebensmittelzusatzstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie zugelassen sind. Siehe Zusatzstoffzulassungsverordnung (ZZulV)
  • Zusatzstoffe müssen auf der Speisekarte kenntlich gemacht werden. Lt. Gesetz dürfen sie als Fußnoten angebracht werden.
  • Die Zusatzstoffe werden mit ihrem Klassennamen angegeben (z.B. Farbstoff = „mit Farbstoff“). Vorgeschrieben sind – soweit die Stoffe verwendet wurden – diese Angaben:

Art der Zusatzstoffe
E - Nr. 
Kenntlichmachung
auf dem Speiseplan
Farbstoffe
E 100 - E 180
"mit Farbstoff"
Konservierungsstoffe
E 200 - E219, E 230 - E 235, E 239, E 249 -  E 252, E 280 - E 285, E 1105
"mit Konservierungsstoff"
oder "konserviert"

Konservierungsstoffe bei ausschließlicher Verwendung von
E 249 - E 250
E 251 - E 252
oder einem Gemisch
auch zulässig:
"mit Nitritpökelsalz"
"mit Nitrat"
"mit Nitritpökelsalz und Nitrat"
Antioxidationsmittel
E 310 - E 321
"mit Antioxidationsmittel"
Geschmacksverstärker
E 620 - E 635
"mit Geschmacksverstärker"
Schwefeldioxid / Sulfite
E 220 - E 228 ab 10 mg/kg
"geschwefelt"
Eisensalze
E 579, E 585
"geschwärzt"
Stoffe zur Oberflächenbehandlung
E 901 - E 904, E 912, E 914
"gewachst"
Süßstoffe
E 950 - E 952, E 954, E 955, E 957, E 959, E 962
 "mit Süßungsmittel(n)",
bei E 951 und E 962 zusätzlich:

"enthält Phenylalaninquelle"
andere Süßungsmittel
(Zuckeralkohole)
E 420, E 421, E 953, E 965 - E 967
Bei Zuckeralkoholen mit mehr
als 10 % Gehalt zusätzlich:

"kann bei übermäßigem Verzehr
abführend wirken"
Phosphate
E 338 - E 341, E 450 - E 452
"mit Phosphat" 
       Weitere Regelungen für Zutaten, die den Zusatzstoffen in der Kenntlichmachung gleichgestellt sind, aber nicht mit einer E-Nummer gekennzeichnet werden:
      ZutatKenntlichmachung bei loser WareBeispiele für Lebensmittel, die diese Zusatzstoffe enthalten können
      Coffein"coffeinhaltig" alkoholfreie coffeinhaltige Erfrischungsgetränke
      Chinin, Chininsalze "chininhaltig" z.B. Bitter-Lemon 


Warnhinweispflicht für Azofarbstoffe
Auch in der Schule sollten Warnhinweise "Kann die Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen"
angegeben werden, wenn Lebensmittel Azofarbstoffe
  • Tartrazin (E 102),
  • Gelborange (E110),
  • Azorubin (E 122),
  • Cochenillerot (E 124a),
  • Allurarot (E129)
  • Chinolingelb (E 104)
enthalten.



- Bestimmte Zutaten
Sondervorschriften für Fleischerzeugnisse:
    Gemäß der Fleisch-Verordnung dürfen bei der Produktion von Fleischerzeugnissen:
    • bis zu 3 % Milcheiweiß- und Hühnereiweiß enthalten sein (z.B. Brühwurst, Fleischklopse)
    • bis zu 5 % Milch und Sahneerzeugnisse zugesetzt sein
    Der Einsatz von Fremdeiweiß muss kenntlich gemacht werden, nicht als Fußnote, sondern die Hinweise müssen die Verkehrsbezeichnung ergänzen:
          • „mit Milchpulver“
          • "mit Molkenpulver“
          • „mit Milcheiweiß“
          • „mit Eiklar“
          • „unter Verwendung von Milch“
          • „unter Verwendung von Sahne“

    Auch wenn weitere Einlagen, wie Gemüse, Nüsse, Pilze, Käse und ähnliche Erzeugnisse verwendet werden, muss eine Kenntlichmachung erfolgen, z.B. Brühwurst mit Paprika,Pastete mit Pistazien


- Bestimmte Behandlungsverfahren
Gentechnisch veränderte Lebensmittel:
    Verpflichtend ist auch die Kennzeichnung genetisch veränderter Lebensmittel. So müssen Lebensmittel, die a) selbst ein genetisch veränderter Organismus (GVO) sind, die b) GVO enthalten oder c) aus ihnen hergestellt wurden, entlang der gesamten Herstellungskette bis zur Abgabe an den Verbraucher rückverfolgbar sein. Ab einem Anteil von 0,9 % im Lebensmittel sind sie zudem entsprechend zu kennzeichnen - auch in der Kita- und Schulverpflegung.
    Derzeit sind aus den drei genannten Gruppen aber nur solche in der EU zugelassen, die aus GVO hergestellt (c) sind. Das können Öle aus genetisch verändertem Soja oder Raps, Stärke aus genetisch verändertem Mais und Glukosesirup aus dieser Stärke, Aromen aus gentechnisch verändertem Sojaeiweiß und Ketchup aus gentechnisch veränderten Tomaten sein.
    In der Gemeinschaftsverpflegung muss die Kennzeichnung auf dem Speisenplan oder an der Ausgabe direkt neben dem betreffenden Lebensmittel gut sichtbar angegeben werden. Die Verordnung lässt die Fußnotenlösung als Möglichkeit der Kennzeichnung zu. Besteht das Produkt aus mehr als einer Zutat, lautet die Kennzeichnung: „Genetisch verändert" oder „Aus genetisch verändertem [...] hergestellt"


- Allergene
    Ab Dezember 2014 müssen Zutaten, die allergische Reaktionen oder Unverträglichkeitsreaktionen auslösen gekennzeichnet werden. (siehe Kennzeichnung von Allergenen)


Ausnahme für die Kennzeichnungspflicht:
Die Kennzeichnungspflicht trifft nur die Lebensmittelzusatzstoffe, die im Endprodukt noch eine technologische Wirkung haben – ist diese nicht mehr vorhanden, gelten die Substanzen als technische Hilfsstoffe, die nicht aufgeführt werden müssen. Das bedeutet unter anderem, dass auch Trägerstoffe bzw. Lösungsmittel für andere Zusatzstoffe, Aromen oder Enzyme selbst dann nicht gekennzeichnet werden müssen, wenn sie grundsätzlich rechtlich als Lebensmittelzusatzstoff gelten.


marianne.feigenbutz@dlr.rlp.de      drucken nach oben  zurück